Bericht: Wohnhaus in Tokio

Aufgrund der extrem kleinen Grundstücksgrößen und der beschränkten Gebäudehöhen wird im dicht bebauten Wohnviertel Shinjuku jeder verfügbare Quadrat- bzw. Kubikzentimeter ausgeschöpft. Das gilt auch für dieses an einer kleinen Straßenkreuzung gelegene Wohnhaus, welches auf einem lediglich 44 m2 großen Bauplatz immerhin 86 m2 Wohnfläche sowie einen überdachten Pkw-Stellplatz schafft. Doch anstatt wie bei der Nachbarbebauung einfach nur die Grundstücksfläche in die Höhe zu ziehen, haben die Architekten hier eine scharfkantige Gebäudeskulptur geformt, die sich von der gleichförmig bebauten Umgebung deutlich abhebt und an ein geschliffenes Mineral oder ein Origami erinnert. Deren innere Organisation über insgesamt vier Ebenen lässt sich an der mit einem wasserdichten Anstrich überzogenen, blendend weißen Betonhülle bestenfalls erahnen. Im Innenraum verschleiern räumlich ineinandergreifende Geschosse, polygonale und zudem unterschiedlich geneigte Wand- und Dachflächen sowie eine Vielzahl großflächig eingeschnittener Fensteröffnungen die tatsächlichen Gebäudedimensionen. Dadurch erscheint das Wohnhaus wesentlich größer als es in Wirklichkeit ist - was nicht zuletzt auch mit jener Durchlässigkeit zu tun hat, die aus dem weitgehenden Verzicht auf Innenwände resultiert.