Technik: Ein Kristall im Hafen - Die Glasfassade der Elbphilharmonie

Die Isolierverglasung Typ 1 besteht aus zwei VSG-Scheibeneinheiten mit einer Stärke von jeweils 8 bzw. 6 mm pro Einzelscheibe. Bei der »Monoverglasung« Typ 2 im Bereich der Loggien kommt eine VSG-Einheit aus drei Einzelscheiben mit je 8 mm Stärke zum Einsatz (Abb. 17). Zusätzlich zur Sonnenschutz- und der Wärmeschutzbeschichtung weist die Verglasung eine graue Punktbedruckung und ein Punktraster aus Chromspiegelbeschichtung zur Optimierung der g-Werte der Verglasung um ca. 25 % auf. Um den unmittelbar an der West- und Südwest-Fassade vorbeifahrenden Binnenschifffahrtsverkehr nicht zu beeinträchtigen, ist eine Dämpfung der an den Glasscheiben reflektierten Radarwellen der Hafenanlage erforderlich. Aufgrund der elektrischen Leitfähigkeit der Chromspiegelbeschichtung im Zusammenspiel mit dem Glasaufbau kann die erforderliche Radardämpfung durch Interferenzen mit einer spezifischen und je nach Ausrichtung unterschiedlichen Konfiguration der Verlaufsbilder erreicht werden. Die Verlaufsbilder reagieren lokal auf die zusätzlichen Anforderungen und erübrigen sonst übliche technische Maßnahmen wie Drahteinlagen. In der Außenansicht wandelt sich die Chromspiegelbeschichtung in Intensität und Farbton in Abhängigkeit von der Witterung und dem Blickwinkel. Die mit den Punktrastern erzeugten Druckbilder reagieren auf die jeweiligen dahinter liegenden Raumzusammenhänge und Nutzungen, verlaufen dementsprechend über zwei bis fünf Scheiben und lösen sich damit von dem übergeordneten Profilraster der Elementfassade. Die Orientierung an der jeweiligen Raumgröße erzeugt eine Intimität des Innenraums, der sich in der Fassade abbildet. Die Bedruckung bildet einen Verlauf im Hinblick auf die Größe der Punkte sowie auf deren Verteilung - vom stark bedruckten Randbereich zur transparenten Mitte des jeweiligen Verglasungsbereichs. Der Ausblick wird durch das jeweilige Druckbild gerahmt. Aufgrund der Transluzenz der raumbezogenen Bedruckungsverläufe wird die Durchsicht jedoch selbst in den dicht bedruckten Randbereichen lediglich gefiltert, nie vollständig unterbrochen (Abb. 4). Variierende Verlaufsbilder überspielen die harten Brüche von einer Nutzung zur anderen und fassen die unterschiedlichen Bereiche durch das fassadenübergreifende Maschennetz der Bedruckung optisch zusammen. Da die graue Punktbedruckung und die Chromspiegelbeschichtung im Punktdekor auf unterschiedlichen Glasebenen angeordnet sind, erscheinen diese bei Betrachtung aus naher Distanz je nach Blickwinkel in variierender Überlagerung und führen zu einer verstärkten Tiefenwahrnehmung der Ver­glasung