Wohnhaus in Tokio 2009/06

Tokio besitzt die paradoxe Qualität, Metropole und Dorf in einem zu sein. An den Metrodrehkreuzen zeigt Tokio sein urbanes Gesicht, wagt man sich jedoch in die kleinen Gassen, so lädt das dichte, städtische Gefüge ein, Orte mit dorfähnlichem Charakter zu entdecken. Das Wohnhaus liegt im geografischem Zentrum der Umsteigebahnhöfe Shibuya, Shinjuku und Akasaka-mitsuke an einem unauffälligen, zwei Meter breiten Fußweg. Dieser Widersprüchlichkeit entsprechend basiert die Entwurfsidee darauf, Räume mit unterschiedlichen Atmosphären zu stapeln. Das zweistöckige Basisgebäude füllt das Grundstück bis auf einen kleinen Gartenstreifen. Hier sind Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Bad untergebracht. Alle Räume öffnen sich nur zum Garten; zur Gasse zeigen sie sich geschlossen. Auf dem Sockelgebäude befindet sich ein ebenfalls zweigeschossiger, zurückversetzter Gebäudeteil. Er besteht aus einem hohen Raum mit einer Galerie, angrenzend an eine Dachterrasse. Folgt man der Treppe weiter nach oben, erreicht man die Dachebene mit einem geschlossenen runden Pavillon, der lediglich den Blick in den Himmel zulässt. Verbindendes und gestaltendes Element aller Etagen ist eine gefaltete Stahltreppe. Sie ist an einer stählernen Treppenwange befestigt, die in der Wandebene verschwindet und dort unsichtbar mit der tragenden Stahlstruktur des Gebäudes verschraubt ist.