Im Jahr 1899 kam in Berlin der Gedanke auf, die Bismarckstraße in Richtung Westen zu verlängern, um das Zentrum mit dem Grunewald, also „das Herz mit der Lunge" zu verbinden. Die neue Heerstraße sollte den Kurfürstendamm entlasten und der Residenzstadt eine Prachtstraße nach dem Vorbild von Paris und London bescheren. Der geplante Straßenzug musste die Seenlandschaft im Westen Berlins durchqueren, wofür der Bau von zwei Brücken erforderlich wurde. Mit deren Planung, Entwurf und Konstruktion beauftragte man Karl Bernhard, einen der wichtigsten Baumeister in Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. rnDie 1909 fertiggestellte Stößenseebrücke zählt zu seinen schönsten und am besten erhaltenen Bauten. Um ihre Länge und damit die Kosten zu reduzieren, überbrückte Bernhard einen Teil des Sees mit einer 350 m langen und 125 m breiten Dammschüttung, die durch Heraufpumpen des aus dem See herausgebaggerten Moores fruchtbar gemacht wurde. Um das dadurch entstandene schöne Tal mit nahezu 100 m Breite nicht durch massive gemauerte Pfeiler zu beeinträchtigen, wählte Bernhard eine Stahlfachwerkkonstruktion mit einem tief im Tal positionierten Mittelauflager, die er möglichst filigran gestaltete. Ein weitgespannter Bogen kam nicht infrage, weil die Horizontalkräfte am aufgefüllten Damm kaum mit vertretbaren Kosten aufzunehmen waren.