Mitten im quirligen Zentrum der Altstadt steht dieses kleine Haus zwischen zwei sehr gegensätzlichen Nachbarn: einer Moschee und einem Erotikshop. Konträre Typologien Tür an Tür sind typisch für die Stadt, ebenso unterschiedlichste Nutzungen von Gebäuden. So war diese kleine Einheit mit gerade einmal 18,5 m2 Erdgeschossfläche, aber stattlichen 15 m Höhe in den 1960er-Jahren eine Chemiefabrik, dann eine Bar, dann ließen sich Hausbesetzer darin nieder. Ursprünglich erbaut wurde sie im 19. Jahrhundert als Wohnhaus. Das Gebäude wieder nutzbar zu machen und es zeitgemäßen Standards anzupassen, war keine einfache Aufgabe. Acht Jahre dauerte der Prozess wegen langatmiger Auseinandersetzungen mit den Behörden, aber auch vieler kniffliger Details. So musste die Wendeltreppe wegen der beengten Verhältnisse vor Ort geschweißt werden. Als selbsttragende Konstruktion läuft sie nun durch alle Geschosse und berührt die alten Mauern nicht. Zwar ist der Treppenraum so klein bemessen, wie es nur irgendwie ging, doch bewirken seine Höhe und die natürliche Belichtung von oben eine erstaunliche Großzügigkeit. Die alten Mauern mit ihren Mustern aus unterschiedlichsten Ziegeln, zwischen die sich auch ein paar Natursteine mischen, blieben unverändert erhalten. Sie erzählen von der Geschichte des Hauses, machen sichtbar, wo früher die Treppe verlief oder ein Torbogen ins Freie führte. Die Zwischenebenen jedoch wurden alle entfernt. Stattdessen tragen jetzt Stahlträger die Decken sowie die gläsernen Böden, die in jedem Stockwerk entlang der Fassade verlaufen. Durch sie wirkt das Haus hell, luftig und licht und trotz der kleinen Flächen kein bisschen klaustrophobisch. Tageslicht ins Innere zu leiten war eine der zentralen Entwurfsaufgaben. So bringt ein Glasband über dem Eingang Helligkeit ins Erdgeschoss und an der rückwärtigen Fassade, hinter der ein Hof liegt, fällt gedämpftes Licht durch opake Glasscheiben auf die Treppe. Sieben Röhren aus Edelstahl, die sich ebenfalls über die ganze Höhe des Hauses erstrecken und dabei auch die Einbaumöbel durchbohren, nehmen sämtliche Installationen auf. Ein Rohr ist noch frei für zukünftige Nachinstallationen.